Sonstige Behandlungsmethoden

Neben medikamentöser und Psychotherapie gibt es noch zahlreiche andere Methoden zur Bekämpfung psychischer Krankheiten, die nicht immer völlig unumstritten sind.

Schlafentzug

Bei depressiven Symptomen wirkt Schlafentzug therapeutisch. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass verordneter Schlafentzug regelmäßig zu einer Besserung der Symptomatik führt. Symptome wie Herabgestimmtheit (speziell das "Morgentief"), Antriebshemmung, Unruhe, innere Anspannung, Getriebenheit, Angstzustände und Interesselosigkeit werden günstig beeinflusst. Die Betroffenen fühlen sich freier, leichter und hoffnungsfroher.

Die Besserung tritt in den frühen Morgenstunden ein und schreitet am Tag fort. Verschlechterungen der depressiven Symptomatik kommen praktisch nicht vor. Als unerwünschte Begleiterscheinungen treten verstärkte Gereiztheit, Benommenheit und gewissen körperliche Beschwerden auf.

Der Erfolg ist leider zeitlich begrenzt, Rückfälle treten teilweise schon in der Folgenacht wieder auf. Daher sind Wiederholungen empfohlen. Am günstigsten ist die Wirkung des Schlafentzugs, wenn parallel eine Behandlung mit Antidepressiva stattfindet.

Folgende Formen des Schlafentzugs sind möglich:

Totaler Schlafentzug
der Patient bleibt die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag wach.
Partieller Schlafentzug
der Patient geht um 21.00 Uhr zu Bett, er wird um 0.30 oder 1.30 Uhr geweckt, man bleibt die zweite Hälfte der Nacht und den darauf folgenden Tag wach; diese Form ist auch ambulant durchführbar, einige Experten halten diese Methode für die wirkungsvollste
Selektiver Schlafentzug
hier findet ein Entzug von bestimmten Schlafstadien statt, wird im Schlaflabor durchgeführt, speziell Tiefschlafphasen werden entzogen

Ebenfalls als wirkungsvoll diskutiert wird die Phasenverschiebung des Schlafes, wobei die Schlafenszeit von 23.00 bis 7.00 Uhr vorverlegt wird auf 17.00 bis 1.00 Uhr.

Wichtig bei jeder Form von Schlafentzug ist, dass das Wachsein unbedingt eingehalten werden muss. Selbst kurzzeitiges Einnicken gefährdet schon den Therapieerfolg.
Zeigt sich keine anhaltende Besserung, kann und soll der Schlafentzug in wöchentlichen Abständen wiederholt werden.

Lichttherapie

Die Synthese des Hormons Melatonin wird durch Licht gehemmt. So könnte es im lichtarmen Winter zu einer verstärkten Melatoninausschüttung kommen, die in Verdacht steht, Depressionen zu begünstigen. Das Hormon wird außerdem in engem Zusammenhang mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus und der Steuerung der inneren Uhr gesehen.
Bei der Lichttherapie muss sich der Patient zwei Stunden täglich vor einen hellen, weißen Schirm mit hoher Lichtintensität setzen. Die Lichttherapie wird vor allem gegen saisonal bedingte Depressionen (Winter-Depression) eingesetzt.

Elektrokrampftherapie (EKT)

Die Elektrokrampftherapie wird auch bezeichnet als Elektrokonvulsions-, Elektroschock- oder Elektrotherapie. Sie ist immer noch sehr umstritten. Vor der Entwicklung der Antidepressiva war die EKT eine häufige Behandlungsmethode gegen Depressionen. In den siebziger Jahren dagegen war sie geächtet. Es soll sich jeder selbst einen Überblick verschaffen und dann urteilen. Deshalb hier unkommentierte Fakten:

Magnetstimulation

Die Transcranielle Magnetstimulation (TCM) soll eine Alternative zur Elektrokrampftherapie sein. Diese Therapieform befindet sich allerdings noch in der Erprobungsphase.
Seit den 80er Jahren entwickelte sich die Methode von einem diagnostischen Hilfsmittel zu einer Therapie, die bei 30-40% der Patienten erfolgreich ist, selbst wenn diese Patienten bisher auf keine andere Therapie angesprochen haben. Außer bei Depressionen wird die TCM auch bei Schizophrenie, Tinnitus und Zwangserkrankungen erprobt.

Zur Durchführung der Therapie wird eine schleifenförmige Spule mit einem Durchmesser von 10 - 20cm an die linke Seite des Kopfes gehalten, ungefähr im Bereich der " Geheimratsecken". Hier liegt unter der Schädeldecke der Bereich des Gehirns, der für Depressionen verantwortlich gemacht wird. Andere involvierte Gehirnbereiche liegen zu tief im Kopf und sind durch die TCM nicht zu erreichen, da das Magnetfeld nur 2 - 4cm unter die Schädeldecke vordringt.

Durch die Spule wird ein kurzer, starker Strom geschickt mit einer Frequenz von 10 Impulsen pro Sekunde, nach fünf Sekunden erfolgt eine einminütige Pause, dieser Wechsel wird zwanzig mal durchgeführt, das Ganze täglich drei Wochen lang.

Die Stärke des Magnetfelds beträgt ca. 1,5 Tesla, der genaue Schwellenwert, der beim Patienten eine Reaktion auslöst, muss vor der eigentlichen Behandlung ermittelt werden (anhand von Bewegungen zu erkennen). - Zum Vergleich: Das Magnetfeld der Erde hat eine Stärke von 0,0001 Tesla, eisenhaltiges Gestein hat 0,1 Tesla und in einem Kernspintomographen hat das Magnetfeld eine Stärke von 1 - 4 Tesla.

Die Therapie ist nichtinvasiv, völlig schmerzfrei und es ist auch keine Narkose notwendig.

Ergotherapie

Die Beschäftigungs- und Arbeitstherapie ist aus dem bewährten Behandlungsrepertoire stationärer und auch ambulanter psychiatrischer Therapie nicht mehr wegzudenken. Arbeitstherapie im engeren Sinne ist bei den meisten Depressiven nicht angebracht, denn hier geht es weniger um den Erwerb von Leistungsfähigkeit, sondern um die Reduktion eines überhöhten Leistungsanspruch.
Die Beschäftigungstherapie dient eher der Tagesstrukturierung, dem Erleben von positiven Ereignissen, dem (Wieder-)Entdecken der eigenen Kreativität. Schon eine einfache Beschäftigung kann schließlich von endlosen Grübeleien ablenken.

Auf den ersten Blick scheint es übertrieben, Depressionen mit "Körbeflechten" zu behandeln, doch wer einmal miterleben musste, wie eine Depression aus einem aktiven und erfolgreichen Menschen eine fast erbarmungswürdige Kreatur zu machen vermag, die sogar panische Ängste vor früheren Routinetätigkeiten entwickelt, der weiß, weshalb man bei diesem Krankheitsbild von "ganz unten" anfangen muss.

Entspannungsübungen

Gezieltes Entspannungstraining mit verschiedenen Verfahren, insbesondere bei ängstlich-gehemmten und angespannten Patienten hat sich als begleitende Therapiemaßnahme bei den meisten seelisch Kranken im Allgemeinen sowie bei Depressiven im Besonderen bewährt. Auto- und fremdsuggestive Methoden (Autogenes Training, Hypnose) sollte jedoch nur während der depressionsfreien Zeit angewendet werden. Sonst empfehlen sich eher indirekte, z.B. über Muskelentspannung oder Atemübungen wirksame Verfahren.

Natürlich sind gerade bei Ängsten und Phobien auch Entspannungstechniken wichtig und unterstützen eine Therapie. Besonders häufig wird hier die progressive Muskelentspannung nach Jacobson angewandt.

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