Symptome von Depressionen

Als "Laie" denkt man bei Depressionen zunächst einmal an eine Person, die von tiefer Traurigkeit befallen ist. Das ist jedoch bei weitem nicht das einzige Symptom. Viele Patienten sind so stark betroffen, dass sie nicht einmal mehr Traurigkeit empfinden können, geschweige denn weinen können. Statt dessen haben sie ein Gefühl der Leere und Gefühllosigkeit.

Zum typischen Erscheinungsbild gehört neben der Niedergeschlagenheit aber auch Antriebslosigkeit, die oft mit unerträglicher innerer Unruhe verbunden ist, sowie Interesseverlust, Konzentrationsschwäche, und und und. Das Erscheinungsbild der Depression ist sehr vielseitig. Meistens ist der Betroffene stark eingeschränkt in seinem Leben, er kann kaum noch den alltäglichen Pflichten nachgehen.
Dennoch vermögen die Kranken häufig sehr gut, die Symptome zu vertuschen. Sie schämen sich für ihre Krankheit und denken, sie können diese "Schwäche" nicht zugeben. Und nur bei einem Teil der Patienten kommt die Depression in Haltung, Bewegung und Aussehen zum Ausdruck. Oft hört der Betroffene Sätze wie: "Es kann dir doch nichts fehlen, du siehst doch so gut aus."
Auch wenn in ganz schweren Fällen bei Depressionen Wahnvorstellungen als Symptom hinzukommen, ist es trotzdem ein verbreiteter Irrtum, dass Depressionen in Demenz und Schizophrenie enden. Depressionen sind heute kein lebenslanges Leiden mehr, auch wenn eine unbehandelte Depression sich über Jahre hinwegziehen kann.
Ein weiteres Symptom ist das Gefühl der Leistungsunfähigkeit, der Betroffene denkt, er könne gar nichts, würde versagen, nichts leisten, werde nicht gemocht, nicht geliebt und macht sich schwere Selbstvorwürfe.
In einem Satz zusammengefasst:
"Ich kann nichts, ich bin nichts, man mag mich nicht und schuld bin ich auch noch selber daran."

Um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern, gibt es den ICD-10. Das ist ein Index, indem sämtliche psychische Krankheiten aufgelistet sind. Eigentlich dient diese Liste lediglich der Klassifizierung der Erkrankung. Für jede Krankheit sind die Symptome beschrieben, die vorhanden sein müssen, um in eine der Klassen hineinzupassen. Auf dem gelben Schein steht dann z.B. F32.1 bei einer Depression.
Diese Klassifizierung ist eigentlich nur sinnvoll für den Arzt selbst, die Krankenkasse und evtl. für irgendwelche Gutachter. Dem Patienten kann es nicht weiterhelfen, wenn er mit seinen Problemen in eine "Schublade gepackt" wird.

Die Liste ist bewusst ausführlich gehalten. Natürlich hat nicht jeder Depressive alle diese Symptome. Aber wenn man Depressionen hat, entdeckt man sicher auch Symptome, die man gar nicht zuordnen kann. Vielleicht hat man dann die Befürchtung, "total durchzudrehen" oder "verrückt" zu werden. Dem ist aber nicht so, die meisten Symptome sind dann doch auf die Depressionen zurückzuführen, sind ein Teil von ihr, es ist gehört dazu, dass entsprechende Symptome auftreten - und die Depression kann schließlich mit ihrem kompletten Erscheinungsbild erfolgreich behandelt werden!

Allgemeiner Eindruck

die Stimme klingt leise, eintönig; langsames Sprechen; der Gesichtsausdruck ist ernst, welk, wie erstarrt, verbissen; die Bewegungen sind kraftlos, schleppend; der Gang ist vornübergebeugt; der Kopf wird "eingezogen"; der Patient gibt ein "Bild des Jammers" ab

Stimmung

man ist bedrückt, traurig, verzweifelt; Elendigkeitsgefühl; Minderwertigkeitskomplexe; ängstlich; hoffnungslos, Gefühl von Hilflosigkeit; sich verkriechen wollen; lebensmüde Gedanken, nicht mehr aufwachen wollen, alles ist sinnlos

Psychische Symptome

zwischenmenschliche Probleme
Isolation, es fällt schwer, Kontakte aufrecht zu erhalten; Rückzug, "Einigeln"; unfähig, neue Kontakte zu knüpfen; Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege; Unzuverlässigkeit; schließlich wenden sich Freunde ab; nichts mehr von der Umwelt wahrnehmen wollen
berufliche Probleme
nicht belastbar; Gefühl der Überforderung; Arbeiten dauern länger als sonst; Leistungsabfall; Schwierigkeiten beim Durchhalten von Aufgaben; atmosphärische Belastung in Familie (Haushalt) und Beruf; Gefahr der Kündigung seitens des Arbeitgebers oder vom Patienten selbst
lebensmüde Gedanken
nicht mehr aufwachen wollen; nicht mehr können; alles nicht mehr aushalten wollen; Suizidgedanken; Suizidpläne; allem ein Ende machen wollen; anderen nicht mehr zur Last fallen wollen
Traurigkeit
resigniert, unglücklich, verzweifelt; bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbrechend; bedrückt, niedergeschlagen; bis zu tränenloser Trauer; tiefe Seufzer
Freudlosigkeit
sicht nicht über positive Ereignisse freuen können, positive Dinge kaum wahrnehmend, Genussunfähigkeit; die Bandbreite emotionalen Erlebens ist enorm eingeschränkt
Interesselosigkeit
man verliert das Interesse an Dingen, die sonst Freude bereitet haben; Hobbies werden aufgegeben; schließlich ist einem alles egal; Gleichgültigkeitsgefühl
Energielosigkeit
sich nicht aufraffen können; nicht wollen können; nicht aus dem Bett kommen; lustlos, antriebslos; schwach, kraftlos; ohne Schwung und Initiative; der "innere Schweinehund" wird unüberwindbar groß; Gefühl, als ob unsichtbare Macht einen von jeglicher Aktivität fernhält
Elendigkeitsgefühl
schwer erklärbares Unwohlsein, Krankheitsgefühl
Aufmerksamkeit
Konzentration beeinträchtigt; längere Konzentration auf eine Tätigkeit wird unmöglich; Denkhemmungen; Merkfähigkeit eingeschränkt; nichts mehr beachtend; unfähig, sich mit mehreren Dingen gleichzeitig zu beschäftigen; abwesend, in Gedanken woanders
Innere Unruhe
nervös, gestresst, gehetzt, getrieben; "wie unter Strom"; leerer Beschäftigungsdrang; vieles anfangen, ohne es beenden zu können
Mutlosigkeit
verzagt, ratlos, pessimistisch, verzweifelt; keine Perspektive mehr sehen; alles wird sinnlos; leicht irritierbar
Entscheidungsunfähigkeit
sich nicht entscheiden können, auch bei minimalen Fragestellungen; grüblerisches Abwägen; hin- und herüberlegen; hin- und hergerissen fühlen
Grübelneigung
immer gleiche Denkinhalte; sich zermürbend über immer gleiche Probleme; über unwichtige Dinge sich den Kopf zerbrechen; Gedanken drehen sich im Kreis; zu keinem Ergebnis kommend
Schuld- und Schamgefühle
Überbewertung früherer oder aktueller Ereignisse, häufig maßlos überzogen bis grundlos; schlechtes Gewissen, sich rechtfertigen zu müssen über eigene krankheitsbedingte "Unfähigkeit"
Innere Leere
Gefühl der Gefühllosigkeit; keine Liebe mehr empfinden können; Libidoverlust; alles wie leer, dumpf, abgetötet; "Erkalten"; "seelische Mauer"
Gesteigerte Empfindlichkeit
sich angegriffen fühlen; sensibel, anfällig durch vermindertes Selbstwertgefühl; dadurch Gereiztheit, Aggressivität; Labilität; alles persönlich nehmend

Körperliche Symptome

Appetitverlust
Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust; gelegentlich Appetitzunahme (starker Durst, Heißhunger vor allem auf Kohlehydrate); Bedürfnis nach sehr salzigen/sehr süßen Lebensmitteln, da der Geschmackssinn beeinträchtigt ist
Atmung
Enge im Brustkorb; Druck auf der Brust; Atemenge; flache Atmung; schweres Atmen, Keuchen
Augen
Klagen über falsche/nicht ausreichende Sehkorrekturen; Entzündungen; schlechtes Sehen (ohne Befund); Lichtüberempfindlichkeit
Blasenstörungen
Schmerzen beim Wasserlassen; häufiger Harndrang; Reizblase
Schlafstörungen
Einschlafstörungen; Durchschlafstörungen; nächtliches Erwachen, nicht wieder einschlafen können; Alpträume; gelegentlich gesteigertes Schlafbedürfnis (als Flucht)
Herzbeschwerden
Stechen, Brennen, Druck; Herzklopfen, Herzrasen
Hals-, Nasen-, Ohrenbereich
Kloß im Hals, wie zugeschnürt; Druckgefühl auf Ohren; Ohrgeräusche; Schmerzen; Verminderung des Hörvermögens (ohne Befund)
Kreislaufstörungen
Schwindel; weiche Knie; erhöhter Blutdruck
Kopfdruck
diffuse Schmerzen/Druck; Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich
Magen-Darm-Beschwerden
Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen; Blähungen; Sodbrennen, Magendruck; Verstopfung; Durchfall; Reizdarm
Vegetatives Nervensystem
Hitzewallungen; Kälteschauer; Zittern; leichtes Erröten; kalte Hände, kalte Füße; Temperatur-Überempfindlichkeit; Blutdruckschwankungen
Zahnbereich
Schmerzen; Klagen über schlecht sitzendes Gebiss (ohne Befund); "Zähne zusammenbeißen"; Zähneknirschen

Wahrnehmungsstörungen

Depressiver Wahn

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Und sie kann auch nicht die Diagnose eines Arztes ersetzen. Sie soll nur eine Ergänzung sein, um evtl. bei sich oder Angehörigen die Notwendigkeit zu sehen, einen Arzt aufzusuchen und diesen auf die Möglichkeit der Depression aufmerksam machen zu können.

Test: Bin ich depressiv?

Zur weiteren Ergänzung gibt es im Internet online-Tests, Fragebögen, bei denen man herausfinden kann, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass man tatsächlich unter Depressionen leidet:

Beim Arzt

Die Symptome sind sehr vielseitig. Man sollte beim Arztbesuch alle ungewöhnlichen Empfindungen schildern, um die Diagnose zu erleichtern. Gerade bei vorwiegend körperlichen Symptomen sollte man auch Dinge erwähnen, die vermeintlich in keinem Zusammenhang stehen.
Häufig fehlen einem die Worte, wenn man dem Arzt gegenübersitzt, oder man vergisst Dinge zu erwähnen. Man darf sich aber durchaus Notizen für den Arztbesuch machen. Eine andere Möglichkeit ist, die Liste der Symptome auszudrucken und die Symptome, von denen man betroffen ist, anzukreuzen.
In jedem Fall sollte man keine Scham zeigen, offen zu reden. Auch wenn es schwer fällt, sollte jede Art von Symptomen erwähnt werden. Der Arzt kann nämlich nur das beurteilen, was er vom Patienten berichtet bekommt. Er ist somit auf dessen Mithilfe angewiesen. Eine nicht erkannte und damit nicht behandelte Depression kann sich über Jahre hinziehen und völlig unnötig die Lebensqualität enorm einschränken.

Der Arzt wird in jedem Fall versuchen, körperliche Ursachen auszuschließen. Besonders schwierig ist die Diagnose bei Depressionen, die sich fast ausschließlich körperlich äußern. Häufig fehlt gerade in solchen Fällen dem Patienten die Einsicht, dass er psychisch krank ist - was ja auch sehr verständlich ist. Andererseits gibt es dennoch einige wenige Ärzte, die die Patienten zu schnell als Fall für den Psychiater abstempeln. So kann es vorkommen, dass jemand wegen Herzbeschwerden und Bauchschmerzen psychotherapeutisch behandelt wird, und nach Jahren stellt sich heraus, dass der Patient einen Herzfehler und eine vergrößerte Leber hat.

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