Wirkungsweise von Antidepressiva
Reizweiterleitung
Um die Wirkungsweise der AD zu erläutern, muss kurz auf den Hintergrund der Reizweiterleitung in Nerven eingegangen werden.
Innerhalb einer Nervenzelle wird ein Reiz über einen elektrischen Impuls weitergeleitet. An der Nahtstelle zwischen zwei Nervenzellen ist dies jedoch nicht möglich, deshalb müssen die Impulse hier über chemische Substanzen weitergegeben werden.
Diese Nahtstelle zwischen den beiden Enden von zwei Nervenzellen nennt man Synapse. Erreicht ein elektrischer Impuls die Synapse, so werden in den Zwischenraum zwischen den Nervenzellen (synaptischer Spalt) chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) ausgeschüttet. Diese Botenstoffe docken dann an der anderen Nervenzelle an, wo wiederum ein elektrischer Impuls entsteht.
Haben die Botenstoffe im synaptischen Spalt ihren Dienst getan, werden sie zurück in die erste Nervenzelle aufgenommen, wo sie schließlich abgebaut werden.
Für psychische Probleme relevant sind die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, zum Teil auch Histamin.
Die relevanten Bereiche der jeweiligen Neurotransmitter
- Serotonin
- Erinnerungs- und Lernvermögen
- Appetit
- Sexualität
- Schmerz
- Bluthochdruck
- Temperaturempfinden
- Muskelbewegungen
- Angst- und Unruhezustände
- kardiovaskuläre Funktionen
- Einfluss auf Verdauungsapparat und auf Blutgefäße
- Noradrenalin und Dopamin
- wirken sich positiv auf Antrieb aus
- steuern Schlaf-Wach-Rhythmus
- steuern Sexualität
- steuern die Aktivität des Kreislaufs
- Histamin
- wirkt entspannend und beruhigend
- hat Einfluss auf Appetit und Blutdruck
Angriffspunkte der Antidepresiva
Bei einer psychischen Erkrankung geht man davon aus, dass die Reizweiterleitung von Nervenzelle zu Nervenzelle nicht mehr richtig funktioniert, weil das Gleichgewicht der Botenstoffe aus den Fugen geraten ist bzw. weil ein Mangel der Botenstoffe vorliegt.
Die verschiedenen AD greifen an unterschiedlichen Stellen in den Stoffwechsel in den Nervenzellen ein.
Sehr viele Medikamente blockieren die Wiederaufnahme der Botenstoffe in die erste Nervenzelle. Somit steht im synaptischen Spalt eine größere Menge des Botenstoffes zur Verfügung, so dass der Reiz besser an die zweite Zelle weitergegeben werden kann.
Andere Medikamente blockieren das Enzym, dass für den Abbau der Botenstoffe nach deren Wiederaufnahme zuständig ist. So steht schon von vornherein eine größere Menge des Botenstoffes in der Zelle zur Verfügung.
Eine weitere Gruppe der AD greifen an einem dritten Mechanismus an. Wurde von der ersten Nervenzelle der Botenstoff in den synaptischen Spalt ausgeschüttet, so wird dies registriert und die weitere Ausschüttung gestoppt. Einige AD blockieren nun, dass die Ausschüttung gestoppt wird, was wiederum zu einer Erhöhung der Konzentration des Botenstoffes im synaptischen Spalt führt.
Noch nicht alles geklärt
Noch längst sind nicht alle Wirkungsmechanismen der Antidepressiva geklärt. So weiß man bis heute nicht, weshalb die Wirkung der Medikamente erst so spät einsetzt.
Einige Medikamente bewirken auch, dass an der nachgeschalteten Nervenzelle die Zahl der Rezeptoren erhöht wird, an denen die Botenstoffe andocken, so dass die Empfindlichkeit erhöht wird. Auch hier ist der Wirkmechanismus der Medikamente nicht geklärt.
Außerdem hat man festgestellt, dass die einzelnen Neurotransmitter nicht nur an definierten Orten im Gehirn wirken, sondern auch vielfältig Einfluss ausüben auf die anderen Neurotransmitter und Einfluss haben in verschiedenen Gehirnarealen.
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